GRÜNE UNNA

Respekt und Genuß. Team Grüne Hoffnung erfährt Landwirtschaft

Bis 16:17 Uhr regnete es kalte Fäden. Um 17 Uhr starteten trotzdem fünfzehn regenschutzvermummte Radler*innen zur 5. Genuss-Tour des Stadtradel-Teams-Grüne-Hoffnung zu Toms Erdbeergewächshäusern in der Alten Heide.  Thomas Döring empfing die Gruppe im angenehm warmen natürlich duftenden Glashaus. Engagiert und verständlich schilderte der ehrenamtliche  Sprecher der Landwirte von Ruhr-Lippe (Herne, Recklinghausen, Bochum, Dortmund, Unna, Hamm) die Lage seines Hofes und die der deutschen Landwirtschaft. Hier nur einige Stichworte:

– Sein Familienbetrieb produziert Erdbeeren, mästet Schweine und baut Getreide und Rüben an. Die Erdbeeren werden restefrei direkt oder von heimischen Händlern verkauft. Bei größeren Erntemengen werden Stammkunden angerufen, was noch übrig bleibt wird Marmelade. Bei Kälteeinbrüchen (in der Nacht auf Freitag möglich)  sprüht der Bauer am Kältetiefpunkt vor Sonnenaufgang Wassernebel auf die Kulturen. Gegen Schädlinge nutzt Döring Schlupfwespen und Nützlingsmilben. Die Pflanzen sind aufgeständert, das spart Lohnkosten und Rückenschmerzen und die Früchte bleiben sauber. Die kurzen Wege zur Kundschaft macht zarte geschmackvollere Sorten möglich, was die Gruppe ausführlich probieren durfte. Der Preise für die edlen Früchtchen liegt aktuell bei 10€/kg, dabei konnte der gestiegene Mindestlohn kaum eingepreist werden.

– Landwirtschaft war immer wetterabhängig. Der Klimawandel erhöht die Herausforderungen, wobei Unnas fruchtbare Böden Trockenperioden besser überstehen. Dass aber ab und an Ernteüberschüsse zum Nichternten führen, wie bei der  Kartoffelschwemme im letzten Jahr, ist nur schwer vermeidbar. „Die meiste Lebensmittelvernichtung findet aber in den Haushalten statt!“, hier appellierte der Bauer mehr auf die eigene Nase als auf das Mindestdatum zu achten.

– Landwirte waren mit die ersten, die ihre großflächigen Dächer mit Solarzellen bestückten und Biogasanlagen bauten. Dass Photovoltaik-Felder die Ackerflächen weiter schrumpfen lassen, führt auch zu Diskussionen unter Landwirten. Für die neue Generation der Anlagen, unter denen weiter geackert werden kann, bestehen noch allerhand ungeklärte Risiken. Auch der Weiterbetrieb der Biogasanlagen ist bürokratisch noch nicht gesichert. Erfreulich konnte Grüne-Hoffnungs-Kapitänin Ronja Kossak, hauptberuflich forschende Mikrobiologie-Dozentin an der Hochschule Hamm-Lippstadt, berichten, dass dort durch praxisnahe Forschung der Wirkungsgrad der Anlagen sich deutlich verbessert habe. „Biogas kann einen entscheidenden Beitrag zur Überbrückung von Dunkelflauten leisten. Insbesondere durch innovative Verfahren zur Flexibilisierung und Überwachung mikrobiologischer Prozesse. Allerdings darf Biogaserzeugung keine Konkurrenz zur Lebensmittelversorgung werden!“ Thomas Döring freut sich über den Lernverbund von Landwirtschaft und Wissenschaft in der Region, er selbst hat nach der Lehre noch in Soest Landwirtschaft studiert.

 

Nach gut anderthalb Stunden in intensiven Austauschgesprächen und einigen Kilos Erdbeerkauf nutzte die Gruppe eine Regenpause zum Ortswechsel in Richtung Bauer Brune. Da gab es bei Veredelungsprodukten der heimischen Landwirtschaft bis 22 Uhr noch vertiefenden Austausch mit Thomas Döring. Der leidenschaftliche Landwirt liebt den Satz „Landwirtschaft ist bUNt nicht braun!“, vertritt gern auch die ökologischen Landwirte und berät gern alle Parteien, „nur nicht die blau-braunen.“

Bericht und Fotos: Hermann Strahl

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