Am Donnerstagabend, den 09. Juli, fand im SpontUN eine spannende Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Afrika – Kontinent der Zukunft?!“ statt. Die Veranstaltung wurde von Regina Ranft konzipiert und moderiert und brachte Expertinnen und Experten mit unterschiedlichen Perspektiven auf den afrikanischen Kontinent zusammen.
Zu Gast waren Nelli Soumaoro, Unternehmer und Berater mit Schwerpunkt auf deutsch-afrikanischen Wirtschaftsbeziehungen, Stella Gaitano, eine aus dem Südsudan stammende Schriftstellerin und Journalistin, die sich in ihren Werken mit den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen ihres Heimatlandes auseinandersetzt, sowie Gyenyamedi Osafo, der sich mit Fragen der internationalen Zusammenarbeit sowie den Beziehungen zwischen Europa und Afrika beschäftigt.
Den Auftakt bildete ein Impulsreferat, das die gegenwärtige Ausgangslage skizzierte. Dabei wurde deutlich, dass viele afrikanische Staaten bis heute mit den Folgen des Kolonialismus und Postkolonialismus, den Auswirkungen internationaler Entwicklungspolitik sowie den Herausforderungen von Kriegen, Flucht und politischer Instabilität konfrontiert sind. Gleichzeitig befindet sich die internationale Ordnung insgesamt in einem tiefgreifenden Wandel. Bestehende Bündnisse verändern sich, geopolitische Machtverhältnisse verschieben sich und auch Deutschland steht vor der Aufgabe, neue internationale Partnerschaften aufzubauen.
Im Mittelpunkt des Abends stand der Impulsvortrag von Nelli Soumaoro, der für einen grundlegenden Perspektivwechsel im Blick auf Afrika warb. Er plädierte dafür, den Kontinent nicht länger vor allem mit Krisen und Entwicklungsproblemen zu verbinden, sondern ihn als gleichberechtigten Partner mit enormem wirtschaftlichem, gesellschaftlichem und technologischem Potenzial wahrzunehmen.
Seine Argumentation stützte sich auf drei zentrale Thesen:
- Afrika ist ein Schlüsselkontinent des 21. Jahrhunderts. Mit der Afrikanischen Freihandelszone (AfCFTA) entsteht der größte zusammenhängende Binnenmarkt der Welt nach Anzahl der beteiligten Staaten. Dies eröffnet enorme Chancen für wirtschaftliche Entwicklung, Investitionen und internationalen Handel.
- Die globale Energiewende und Digitalisierung sind ohne Afrika kaum denkbar. Der Kontinent verfügt über bedeutende Vorkommen strategisch wichtiger Rohstoffe wie Kobalt, Lithium, Mangan und Seltene Erden, die unter anderem für Batterien, Elektromobilität und digitale Technologien unverzichtbar sind. Gleichzeitig besitzt Afrika ein enormes Potenzial für den Ausbau erneuerbarer Energien.
- Afrika ist ein Kontinent der Innovationen. Soumahoro verwies darauf, dass zahlreiche technologische Entwicklungen ihren Ursprung auf dem Kontinent haben oder dort besonders erfolgreich umgesetzt wurden. Ein bekanntes Beispiel ist das mobile Bezahlsystem M-Pesa aus Kenia, das Millionen Menschen den Zugang zu Finanzdienstleistungen ermöglicht hat und heute weltweit als Vorbild für digitale Finanzinnovationen gilt.
Im anschließenden Podiumsgespräch griffen Stella Gaitano und Gyenyamedi Osafo diese Thesen auf und ergänzten sie um gesellschaftliche, kulturelle und politische Perspektiven. Dabei wurde deutlich, dass Afrika aufgrund seiner Vielfalt nicht als einheitlicher Raum betrachtet werden kann, sondern aus 54 Staaten mit sehr unterschiedlichen historischen, politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen besteht. Zugleich wurde betont, dass die Beziehungen zwischen Europa und Afrika künftig stärker von gegenseitigem Respekt, partnerschaftlicher Zusammenarbeit und gemeinsamen Interessen geprägt sein sollten.
Auch das Publikum beteiligte sich engagiert an der Diskussion. Die zahlreichen Fragen und Wortmeldungen machten deutlich, dass das Thema auf großes Interesse stieß. Der Abend zeigte eindrucksvoll, dass Afrika nicht nur vor großen Herausforderungen steht, sondern zugleich eine zentrale Rolle bei der Gestaltung globaler Zukunftsfragen ,von Wirtschaft und Klimaschutz bis hin zu Digitalisierung und Innovation, einnehmen wird.
Foto und Text: Meret Reimann



