GRÜNE UNNA

Mit den Grünen Lesetipps wollen wir Freude an frischen Gedanken wecken. Bei Grün wird erfreulich viel gelesen. Geteilte Gedanken können erfreuliche Kräfte entwickeln. Und natürlich auch Menschen näherbringen, die ihre Buchbegeisterung niederschreiben. Oder auch freundliche Kritik und Entsetzen. Sarah Wagenknecht, Björn Höcke oder Freddy Vogt dürfen auch besprochen werden, aber bitte auf Grüner Wertebasis.

Wir freuen uns auf Vielfalt. Neben Politik-Fachliteratur, freuen wir uns auf Romane, inkl. Krimis, Reise- und selbst Kochbücher passen in diese Spalte, die jeweils zu Monatsbeginn mindestens ein neues Buch vorstellen will. Wir starten nicht zufällig am 1. Advent. Bücher sind beliebtestes Geschenk unter dem Grünen Tannenbaum. Und natürlich fördern wir auch gern den heimischen Buchhandel, der uns immerhin einen Bundestagsabgeordneten geschenkt hat.

Es gibt dreierlei Arten Leser; eine, die ohne Urteile genießt, eine dritte, die ohne zu genießen urteilt, die mittlere, die genießend urteilt und urteilend genießt; diese reproduziert eigentlich ein Kunstwerk aufs neue. Die Mitglieder dieser Klasse sind nicht zahlreich.“ Goethe

Koordination der Lesetipps: hermann.strahl@gmx.de

AG Klima- und Umwelt
Hermann Strahl

Trefflich zum Stadtradeln: 250 km mit Helles Hellwegreise

Auf Unnas 35. Drahteselmarkt war es der heimliche Renner: Das Büchlein „Hellweg Reise“, das die beiden Autoren Helmut Papenberg und Reiner Hirdes dort frisch vorstellten. Die NRW-Achse vom Rhein zur Weser wird ganzheitlich erfahrbar gemacht. In die gut nachfahrbare Streckenbeschreibung sind Geschichten und Geschichte eingewoben, kulinarische und kulturelle Tipps eingestreut und mit verlockenden Bildern unterlegt. 15 eingezeichnete Badeanstalten, sechs freie Flußbadestellen und gut 75 Einkehrtipps ermöglichen diverse Triatlon-Touren (Bike, Baden, Biergarten). Die alte Handelsstraße suchte steigungsarme Wege. Das macht sie nicht nur fahrradfreundlich – wir werden allerdings vor der höchsten Höhe von 468m üNN bei Velmerstot im Eggegebirge gewarnt – auch die Eisenbahnlinien wurden auf flacheren Trassen gebaut. Und so finden sich im Büchlein viele Bahnhöfe, die die An- und Abfahrt zu Abschnittstouren einfach planbar machen. Wegen des vorherrschenden Westwindes beginnt die Broschüre auch nützlich in Duisburg. Neben viel Wissenwertem ist die Broschüre der beiden Unnaer Autoren von Liebe zum

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Grüne Lesetipps
Peter Alt

Grüner Lesetipp: Ghost Stories – Siri Hustvedt

Eine Buchempfehlung von Chris Kreis Das aktuelle Buch der amerikanischen Schriftstellerin ist derzeit die Nr.1 der Bestseller-Liste, es gab viele Rezensionen, eine Lesung auf der Lit Cologne – viele werden es schon kennen. Siri ist ein Star in der Literaturszene, längst nicht mehr „die Frau von Paul Auster“, wie es am Anfang ihrer Beziehung, vor über 40 Jahren, noch war. Nun ist er vor genau zwei Jahren gestorben und sie hat ein Buch darüber geschrieben. Ja, auch über sein Sterben. Aber es ist kein Buch, das am Ende traurig macht ( zwischendurch schon), es ist ein wunderbares, hochinteressantes, politisches Buch. Typisch Siri. Ihre lange, inspirierende, lebendige Beziehung zieht in Rückblicken vorbei, es wird immer vorstellbarer wie groß der Verlust ist. Mich faszinierte die Beschreibung, was Trauer in ihr, in ihrem Körper auslöste: Siri hat „hypnagoge Halluzinationen“, sie hört Geräusche, die nur von Paul stammen können wie das Klappern beim Anschlag

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Grüne Lesetipps
Hermann Strahl

Frisch-freche Hoffnungen. Ermordet, aber Erinnern lohnt!

Exil frecher Frauen Olga Benario, Ruth Rewald und Maria Osten? Zu Unrecht vergessene Vorkämpferinnen für eine emanzipierte Welt. Von Faschisten und Stalinisten verfolgt und ermordet, von Gutbürgerlichen verdrängt. Wiederentdeckt auf 600 durchgehend spannenden Seiten vom deutsch-amerikanischen 70jährigen Germanistikprofessor Robert Cohan in seinem Erstlingsroman. Ein Tatsachenroman voller wirklicher oder möglicher Begegnungen mit Jahrhundert-Berühmtheiten wie Brecht, Feuchtwanger, Otto Braun, Dimitroff, Pasternak, Döblin, Arnold Zweig, Gide, Aragon, Neruda, Ehrenburg, Anna Segers, mit denen sie lebten, liebten, arbeiteten und diskutierten. Unterstützung, Wegducken und Verrat berühren  bei der Lektüre. Gemeinsam ist den drei Frauen  der Hunger nach einem selbstbestimmten Leben, gerade auch als Frau, sowie nach Partnerbeziehungen frei von bürgerlichen Besitzansprüchen. Ihr Bedürfnis nach Emanzipation im umfassenden Sinn, das auch ein entschiedenes Engagement für eine neue, nichtkapitalistische Gesellschaft beinhaltet, treibt alle drei gleichermaßen voran. Ergreifend führt der Roman vor, wie jenen „frechen Frauen“ ihre Leidenschaft auf brutale Weise ausgetrieben wird, sie aber unbeugsam ihr Suchen

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Buchvorstellung - Die geteilte Schuld - Yvonne Zitzmann - vorgestellt von Chris Kreis
Grüne Lesetipps
Peter Alt

Grüner Lesetipp: Die geteilte Schuld – Yvonne Zitzmann

Buchempfehlung von Chris Kreis In Frankfurt an der Oder 1977 und in Berlin 2022 beginnt die Autorin die Geschichte von zwei Frauen zu erzählen, die in den verschiedenen gesellschaftlichen Systemen ihre Eigenständigkeit als moderne Frauen leben wollen. Die eine ist Autorin, die andere Kranführerin. Sie wollen etwas erreichen, etwas aus ihrem Leben machen. Es liest sich leicht und spannend. Dann tritt die große Liebe in ihre Leben, heftig und stark. Beide müssen viel verzichten und verzeihen, es wird viel geweint: aus Sehnsucht, aus Wut, aus der Erkenntnis heraus, dass ihre Vorstellungen von einer ‚richtigen Familie‘ nicht geteilt werden. Warten ist eines der Schlüsselwörter, Verzweiflung, Desillusionierung, Erschöpfung. Jetzt liest sich das Buch nicht mehr leicht, es wird tatsächlich schwer in meiner Hand. Y. Zitzmann beschreibt die Erschöpfung drastisch und verschränkt die beiden Handlungsstränge immer mehr ineinander. Nun wird es auch sehr spannend. Irgendwo fällt in einer Selbstreflektion das Wort ‚blauäugig‘ und

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Grüne Lesetipps
Carsten Hellmann

Grüner Lesetipp: Die letzte Patientin – Ulrike Edschmid

Buchempfehlung von Chris Kreis Das letzte Buch, das ich von Ulrike Edschmid las, schildert das Zusammenleben mit ihrem früheren Lebensgefährten in einer Wohngemeinschaft in Berlin, Philip S., der sich nach dem Tod von Holger Meins radikalisiert und sich der „Bewegung 2. Juni“ anschließt. 1975 wird er bei einem Schusswechsel mit der Polizei erschossen. Traumata sind wohl Edschmids Thema. In ihrem neuen Buch, „Die letzte Patientin“geht es um den Lebensweg einer Freundin, die in den 70er Jahren in ihre Wohngemeinschaft in Frankfurt zog und zu der sie über 40 Jahre in engem Kontakt stand, mit Briefen und später digital. Diese namenlose Frau, “Sie“, treibt auf der Suche nach Zugehörigkeit, Heimat, emotionaler Wärme durch die Welt. Zunächst folgt sie einem spanischen Anarchisten nach Barcelona, dann Nord-, Süd- und Mittelamerika. Sie erlebt ständig enttäuschende Beziehungen , macht gewaltvolle Erfahrungen. Wenn es schön ist, hält sie es nicht aus. Der Klassiker „Die Kunst des

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Grüne Lesetipps
Peter Köhler

Lesetipp von Renate Kolkmann-Meeth: Das Meer der endlosen Ruhe von Emily St. John Mandel

Wer Lust auf ein außergewöhnliches Buch hat, dem empfehle ich den Roman der kanadischen Autorin Emily St. John Mandel.   Im Jahr 1912 wandert der verstoßene englische Adeliger nach Kanada aus, weil er im britischen Empire zu oft wegen unbequemer Ansichten aufgefallen war. Und da ist die berühmte Autorin O. Llewelly, die im Jahr 2203 ihre letzte Lesereise auf der Erde absolviert. Die dritte Zeitebene dieses Romans ist das Jahr 2401. Jetzt schalten die ersten Buchinteressierten, mit denen ich mich gerne austausche, in der Regel ab: „Ich lese keine Science Fiction“. Aber dieses Buch ist anders. Als Meldungen über eine erneut drohende Pandemie laut werden, will die Buchautorin Olive LLewelly zurück zu ihrer Familie auf den kolonialisierten Mond fliegen. Das gelingt ihr nur, weil ein Zeitreisender sie vor den Gefahren durch die Pandemie warnt. Wird das das Ende der menschlichen Exitenz auf dem blauen Planeten sein? Schon längst ist die

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