Tschüß Rita. Danke für ganzganz viel. Und bis bald!

„Das ist sie!“ raunte es durch das Barockfest in der Lindenbrauereibaustelle im heissen Sommer 1986. Mit Frack und Zylinder chaplinesk rockte sich die neue und erste Frauenbeauftragte dieser Stadt in Unnas Leben. Nach 34 Jahren hauptamtlicher Unna-Veredelung steht Rita Weissenberg jetzt vor neuen Berufungen.

Umweltbeauftragte, Fahrradbeauftragter, Frauenbeauftragte, der Einzug der Grünen/GAL hatte Unnas SPD-Patriarchen für neue Fragen geweckt, zumindest im Stellenplan. Schon am Start wußte sie mit  Dorothea Weidner (CDU) und Uschi Riekenbrauck (GAL/Grün) gleich von zwei Fraktionsvorsitzende hinter sich, was sie geschickt einspielen konnte, wenn sie in Verwaltung oder Mehrheitsfraktion auf Widerstände traf. Auch Unnas vielschichtige Frauenbewegung konnte mit ihr gleich Pflöcke einschlagen. Frauenförderplan, Frauennotruf, Beratungsstelle, Frauenhaus, 8. März-Aktionen, Salons und Gesprächskreise sind heute feste Säulen in Unnas Stadtkultur.

Als sie als VHS-Leiterin in ihre Heimatstadt Selm gelockt werden sollte, konnte Unna sie durch die Riesenaufgabe, die VHS im zib neu zu erfinden, am Ort halten.  Unsere Volkshochschule erfüllt heute den anspruchsvollen Namen ganzheitlich mit bundesweiter Anerkennung. Sprachkurse werden als Schlüssel zur Integration passgenau entwickelt. In vielfältigen Kursen und Arbeitskreisen wird nicht nur tote Geschichte lebendig. In Unnas VHS wird auch Geschichte gemacht. Wer Ideen hat, findet bei Rita nicht nur offene Ohren, sondern vor allem praktische Unterstützung. Integrationsforen, Verkehrswendewerkstätten, Qualifizierung für qualifizierteres Bürgerengagement.

Über die Winteruni hat sie die Hochschule im fernen Massen an das Unnaer Leben herangeführt. Daneben finden Unna erforschende Kooperationen mit der Fachhochschule Dortmund statt. Und Goethes letzte Worte „Mehr Licht!“ stehen nicht nur über dem zib Eingang, mit der so genannten Reihe lockt sie erleuchtende und meist einleuchtende Referent*innen in den Säulenkeller des Lichtkunstzentrums.

Ein Sondercoup gelang ihr, als sie einem Rentnerrudel alter Verantwortungsträger im Forum-Generationen-Unna die Möglichkeit bot, ihre Erfahrungen in die Stadtentwicklung einzuspielen versuchen. Ortsteilentwicklung Lünern, Quartiersentwicklung Klosterviertel, Kulturparlament, 10 Ehrenamts- und Ideenbörsen und ehrenamt-unna.de wären ohne Rita Weissenberg beharrlich-charmante Begleitung nicht zustande gekommen. Nicht nur hier bewies sie sich als Meisterin im „Enttäuschungs-Management“. Jammern und klägliches Klagen war nie ihr Ding. Freudig aus Fehlern lernen und neue Wege ausprobieren, Rita liebt und lebt lebenslanges Lernen.

Wie die Inkarnation von Lernlust ihre neue Rolle vorwärts gestaltet, wird spannend. Nach den VHS-Lavendelentdeckungsreisen soll sie Neugier auf Unnas Kräutergarten haben. Die einstige Münsteraner Hausbesetzerin (habe ich auch erst gestern erfahren) konzipiert ein Buch zum Thema. Und dann will sie mal schauen.

Die Frauenbeauftragte a.D. scheidet in einem Jahr aus der Verwaltung, in dem Unna wahrscheinlich seine erste Bürgermeisterin wählt. Claudia Keuchel wird sich über Ritas Rat freuen.

24. Juni 2020, Hermann Strahl, war mit Rita schnell Grün, auch wenn ihr Rotstift 17 Genderfehler in einem kleinen VHS-Text von ihm brandmarkte.

Ritas Abschiedssektfläschchen wird auf einigen Schreibtischen sicher als Rosenväschen überleben. Natürlich entstand das Konzept in ihrer Lernwerkstatt: https://www.ehrenamt-unna.de/fileadmin/user_upload/Willkommenssekt.pdf

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