Sonniges Wetterglück hatten ADFC und Verwaltung beim diesjährigen Drahteselmarkt. Höhepunkte setzte das Fietsorchester auf seinem 6er Tandem (Sextem?), das rollende Platzkonzerte in der ganzen Innenstadt laut und lustvoll blies. Radclown und pedalgetriebene Carrerabahn waren wieder auf dem Platz. Diverse Infostände von Händlern, Döbeln-Tourismus und Radstation boten Bewährtes, inkl. Codierung und Radwäsche.

Am ADFC-Stand waren die verschiedenen Karten, Broschüren und Give-Aways am Ende des Marktes meist vergriffen. Renner war das von ADFC-Urgestein Helle Papenberg mit Tandem-Partner Rainer Hirdes erstellte Büchlein „Hellweg Reise“. Dauerbelagert von Radlernachwuchs war der Maltisch von Jürgen Skoblin, der seit Jahren Kinder zum Malen bunter Fahrradbilder lockt, für die Einkaufsgutscheine vom Citywerbering ausgelost wurden.

Zur Drahteselin des Jahres wurde Stephanie Schnabel gewählt. Die Pensionärin sorgt sich einmal die Woche um sicheres Radfahren der Schüler*innen der Grillo-Schule. In Kooperation mit ADFC und Radrettern hält sie nicht nur die etwas betagte 30rädrige Schulräderflotte in Schuß – sie organisiert auch vor der Radführerscheinprüfung der Polizei einen Radsicherheitscheck der privaten Kinderräder mit den Radrettern. Ihr Wunsch an Politik und Verwaltung: „Wenn die Schulwege gefahrenfreier würden, könnte man noch mehr Eltern überzeugen, vom Autoelterntaxi zu lassen!“ Eltern, Grillokinder und Publikum klatschten herzlich, Bürgermeister Dirk Wigant versprach weitere Besserung. Hermann Strahl, Laudator vom ADFC, versprach weiteren Druck vom ADFC und Versuchen vom ADFC Kinderradchecks nach Steffi Schnabels Beispiel an weiteren Grundschulen zu ermöglichen.

Danach wurde Elektro-Olli = Oliver Raukohl zum 68. Drahtesel des Jahres gekürt. Der Bürgermeister hörte begeistert, dass an der Iserlohnerstraße 123 aus der Electric Ride Werkstatt UNikate „Made in Unna“ an Kenner*innen in die ganze Republik geliefert werden. Dass er vom Motorrad kommt sieht man manchen seiner Schöpfungen an. Aber ob Räder für Menschen mit Handicap, spezielle Lastenräder oder Umbauten von Hollandrädern zu E-Bikes, Oliver liebt Herausforderungen. „Aber nur was geht. Ich liebe Nachhaltigkeit. Meine Räder rollen oft mehr als 20 Jahre. Aber wenn die Basis nicht stimmt, sage ich NEIN. Das spart Kosten und Ärger!“ Da die zunehmenden Fahrradkettenläden Räder immer widerwilliger oder gar nicht reparieren, ist Unnas ADFC begeistert, dass Oliver Raukohl mit Herz, Hirn, Hand und Haltung für die geräderte Zukunft schweißt und schraubt! Bei der Bike-Night am 24. Mai sind wir auf Ollis erleuchtete räderige Lichtkunst besonders gespannt.

Am Rande des Drahteselmarktes wurde aber auch über Ermüdungserscheinungen der traditionellsten Radkulturveranstaltung im östlichen Ruhrgebiet (mehrfach kopiert in Lünen und Schwerte sogar als Drahteselmarkt, obwohl die keine Esel als informelles Wappentier haben) gesprochen. Vielfach wurde die Wiederaufnahme von Fahrradversteigerungen gewünscht. Lange Jahre gab es Plakate von heimischen Künstler*innen oder Schulklassen. Auch die große Bühne war in diesem Jahr merkbar wenig bespielt. Vielleicht, weil es in den Medien wenige Hinweise gab. ADFC und Verwaltung haben viele Verbesserungsspielräume und sind für Anregungen dankbar, insbesondere auch für Vorschläge „Drahtesel des Jahres 2027“.
Fotos: Werner Wülfing, Text: Hermann Strahl



