Am 1. Oktober, seinem 112. Geburtstag, wurde an der Friedrichsborn-Schule eine Gedenktafel für Ernst Gräwe enthüllt. Er ging hier zur Schule. Der Königsborner Sanitätsgefreite hatte sich eine halbe Stunde vor der Befreiuung Deventers geweigert, fünf niederländische Widerstandskämpfer zu erschießen. Nach Kriegsrecht dürfen Sanitätssoldaten nur sich selbst und Verwundete verteidigen. Der kommandierende Offizier erschoß Ernst Gräwe. Dieser Mord wurde nie bestraft. Die Widerständler wurden trotzdem erschossen. Gräwes Witwe wurde „gefallen“ als Todesursache mitgeteilt.
Die Bürgermeister aus Unna und Deventer erinnerten daran, dass sein Mut, Courage und die Entschlossenheit auch nach 81 Jahren nichts von ihrer Bedeutung verloren haben. Das unterstrichen Schüler*innen des Pestalozzi-Gymnasiums, die Stationen aus Ernst Gräwes Leben und seinen Tod nachzeichneten. „Ich bin nicht hier um Menschen zu erschießen, ich bin hierhergekommen, um Menschen…, ja um Menschen zu heilen und… ja, um Menschen genesen zu lassen.“ sollen seine letzten Worte gewesen sein.
Für die Schüler ist der tragische Held Vorbild für Zivilcourage und Antrieb, wachsam gegen diktatorische Angriffe auf unsere Demokratie zu sein. Die Grundschulrektorin nahm die Tafel als Auftrag, weiter an der Schule friedliche und demokratische Werte zu leben. Ein Friedensraum zur Konfliktschlichtung und unterschiedliche demoktatische Beteiligungformen gehören zur Schulkultur. „Ein bißchen Frieden“ von Grundschulkindern gesungen, rührte die trotz Regen große Zuschauerzahl aus Politik, Verwaltung und engagierten Königsbornern.
Der Historiker Jérémy Gaudais hatte vor Jahren als Praktikant bei Unnas rührigem Stadtarchivar Dr. Frank Ahland die Geschichte Ernst Gräwes recherchiert. Auch er erinnerte an das Beispiel eines Menschen, der todesbedroht Menschlichkeit als Haltung zeigte. Seine kleine Broschüre zum Leben Ernst Gräwes ist in Unnas Stadtarchiv erhältlich.







Jens Junkersdorf, Stiefenkel Gräwes und selbst Bundeswehroffizier, hatte vor Jahren bei einer Gedenkfeier auf einem Soldatenfriedhof nahe Deventers zufällig das Grab seines Stiefgroßvaters entdeckt. In seiner emotionalen Rede gab es ihm Hoffnung, „dass junge Menschen heute die Geschichte von Ernst Gräwe kennenlernen und sich mit seinen Entscheidungen, seinem Mut und seiner Menschlichkeit auseinandersetzen, ist vielleicht eine der wertvollsten Formen des Erinnerns. Ein Schüler dieser Schule wurde zum Vorbild für Zivilcourage. Heute ist sein Name wieder dorthin zurückgekehrt, wo seine Geschichte einst begann.“
In Zeiten, wo in Unnas Rat die AfD die Beschäftigung mit Nazitäter-Geschichte attackierte, war das Gedenken ein ermutigendes Zeichen.
Hermann Strahl, kam bei der Suche nach Spuren der Ermordung eines fahnenflüchtigen „Siegfrieds“ im April 1945 in der Gerhardt-Hauptmann-Straße im Archiv an die Geschichte. Er moderierte 2020 einen Grünen Salon mit Jérémy Gaudais zum Thema und gibt gerne Tipps zum Besuchen der Gedenkstätte in Deventer mit dem Zug Münster-Enschede-Deventer, inkl. Radoption.




