Ein Dutzend Grüne wurde am Mittwoch 15.4.2026, vom Standortchef Tim Henning zweieinhalb Stunden bei laufendem Betrieb durch Teile des Riesenlagers an der Giesserstraße geführt. Mit 492.000 qm Fläche dürfte es Deutschlands größter Logistikstandort sein. 320.000 qm Lagerflächen darunter ein 30 m hohes Hochregallager mit ungefähr 208×65 m Grundfläche. 1.500 Menschen sind Kernbelegschaft, im Weihnachtsgeschäft arbeiten bis zu 2.000 Menschen im Betrieb. Bis auf Lebensmittel, weiße Ware (Kühlschränke und Waschmaschinen) und einigen Direktzustellungen werden von Unna aus alle 83 Galeria-Standorte mit allen Waren versorgt.



Das heißt, Container aus der ganzen Welt werden in Euro-Paletten eingelagert bzw. in unterschiedliche Kistensysteme umgepackt, um dann für die Zusammenstellung zu Einzelwarenhäusern bereitzustehen. Inklusive Preisschildern und Anti-Diebstahlclips werden die Waren kommisioniert. Vom nachbestellten Einzel-T-Shirt bis zum Saisonstart Großlieferung ist das FIEGE-System flexibel aufgestellt. Über Arbeitszeitkonten werden auch die unterschiedlichen Nachfragezyklen für die Beschäftigten erträglich gestaltet. Viele Nationalitäten arbeiten im Betrieb. Ausgebildet wird in verschiedenen Berufen. Für das kommende Lehrjahr sind Bewerbungen willkommen! Gelingende Integration wird nicht nur durch Sprachkurse gefördert. Auch Arbeitsanleitungen werden grafisch intelligent vereinfacht. Der U40-Chef lebt freudige Begeisterung für solche Details, die nicht nur die Grünen Besucher*innen beeindruckt sondern auch in der Kommunikation mit den Beschäftigten angenehm auffällt. Als wir an einer musikgestützten Gymastikgruppe mitten im Betrieb vorbeikommen, erläutert er: „Das macht Freude und senkt den Krankenstand!“


Als das Lager 1986 als Karstadt-Zentrallager gebaut wurde, war der Konzern noch sehr finanzstark. Vom Containerbahnhof bis zum hochautomatisierten Hochregallager wurde zukunftsorientiert gebaut. Die folgenden Karstadt-Quelle-Kaufhof-Krisen überlebte der Standort Unna auch deshalb. Karstadt verkaufte aber Grundstück und Gebäude früh und vergab das Logistik-Management zunächst an DHL und seit Jahren an FIEGE, mit 22.000 Beschäftigten ein mittelständischer Konzern mit immerhin 136 Standorten. Mit einer Großinvestition für den Direktversand wurde jüngst der Standort nochmal zukunftsfreundlich verstärkt.



Beim schmackhaften Abschlussessen in der schicken Betriebskantine, war die Grüne Gruppe nach gefühlten fünf Kilometern (inklusive allerhand Treppen) tief beeindruckt von dem riesigen getakteten System, in dem Menschen und Maschinen harmonisch zusammenwirken. Kisten- und Palettensysteme funktionieren mehrwegig und der noch anfallende Abfall wird getrennt recycelt. Neben Bügelgroßautomaten sind auch noch Bügeleisen im Einsatz. Für Hosen- und Hemdenfaltung gibt es nach wie vor keine wirtschaftlichen Roboter.



Beeindruckend waren die mehr als 100 Belegschaftsfahrräder, die nahe am Werkseingang mit Ladestation und Werkstatt überdacht parkten. Dafür war FIEGE im letzten Jahr vom ADFC mit einem Drahtesel ausgezeichnet worden. Und der Gesamtkonzern erhielt 2025 den deutschen Nachhaltigkeitspreis für Logistik. Dass das Bahngleis zum Containerbahnhof seit Jahren stillliegt, liegt nicht an FIEGE sondern an der Bahn und der deutschen Bahnpolitik. Alle reden von ökologischer Zukunftslogistik auf der Schiene doch die Bahn baut Kapazitäten ab und „Kleinkunden“ wie FIEGE werden nicht wahrgenommen. Hier ist gerade im Logistikkreis Unna die Politik gefordert, Zukunftswege offen zu halten. Unnas Grüne hatten einst gegen die Karstadtansiedlung gekämpft. Auf der Großfläche lebte ein bedeutendes Biotop. Seit Inbetriebnahme verfolgen wir die Entwicklung mit Bangen und Freuden, so war das Karstadtlager einer der ersten Großbetriebe, der auf Regenwasserversickerung setzte. Ein Spaziergang an den „Karstadtteichen“ lohnt sich, speziell zur Brombeererntezeit. Nach unserem Besuch werden wir das wissender tun.
Danke an Tim Henning und sein großes, großartiges Team! Diesen Ausdruck benutzt er selbst gern und mit voller Überzeugung.



